Führen Sie einen regionalen Wahlkampf, kann es durchaus lohnenswert sein, sich in verschiedenen Dorfvereinen zu engagieren. So lernen Sie andere Personen kennen und zeigen Ihre Verbundenheit zum Dorf. Im Idealfall finden Sie dort auch Personen, welche Sie aktiv in den Wahlkampf einbinden können oder Sie mit einer Spende oder einem Testimonial im Wahlkampf unterstützen. Sobald Ihre Kandidatur öffentlich wird, werden Sie von Ihren Vereinskollegen sicher darauf angesprochen und müssen sich kritischen Fragen oder dummen Sprüchen stellen.

Neben Mitgliedschaften ist es auch empfehlenswert, während dem Wahlkampf möglichst viele unterschiedliche Veranstaltungen zu besuchen. Markieren Sie Präsenz an Theaterauffürungen, Konzerten, am Wochenmarkt oder am Dorffest.

Berichten Sie regelmässig über diese Besuche auf der eigenen Webseite und in den Sozialen Medien. Vermerken Sie auf der eigenen Wahlkampfwebseite unbedingt auch, in welchen Vereinen Sie sich aktiv betätigen. Fotografieren Sie sich mit den Lokalgrößen, den Vereinsvorständen und teilen Sie Bilder auf Sozialen Medien.

Warum Vereine?

Wenn Menschen regelmässig zusammenkommen und gleichberechtigt ihr gemeinsames, ideales Ziel anderen gegenüber kundtun wollen, gründen sie einen Verein. In der Schweiz gibt es achtzig- bis hunderttausend Vereine. Davon gehört fast die Hälfte dem Sportbereich an. Bedeutsam sind indes auch Vereine im kulturellen, sozialen und politischen Bereich. In der flexiblen Vereinsform sind sogar wirtschaftliche Kartelle von Produzenten und Handelnden organisiert. Dass in der Schweiz die Vereinsform so verbreitet ist und täglich Vereine gegründet werden – andere über die Jahre “einschlafen” –, liegt unter anderem an den günstigen rechtlichen Rahmenbedingungen: einerseits an der verfassungsrechtlich garantierten Vereinigungsfreiheit, anderseits an der Vereinsautonomie, die es einem Verein innerhalb bestimmter Regeln erlaubt, sich ohne behördliche Zustimmung eigene Statuten zu geben. Als sich das Vereinswesen im 18. Jahrhundert herausbildete, war die Vereinigungsfreiheit von den Obrigkeiten allerdings noch nicht anerkannt, ebenso wenig zu Beginn des grossen Aufschwungs des Vereinswesens im 19. Jahrhundert. Damals wurden mehrere Eidgenössische Verbände gegründet, die seither regelmässig gesamtschweizerische Feste organisieren, ferner Frauen-, Arbeiter- und Ausländervereine. Bis in die gegenwärtige Mediengesellschaft haben Vereine ihre politische und gesellschaftsintegrierende Bedeutung nicht verloren. Rund die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner über vierzehn Jahre betätigt sich in mindestens einem Verein.

Diese Historie legt nahe, dass Vereine als gesellschaftlicher Raum und mögliche politische Bühne nicht zu unterschätzen sind. Wenn Sie eine politische Karriere verfolgen, sollten Sie sich also weit im Vorfeld überlegen, Mitglied bei den regional wichtigen Vereinen zu werden und sich über einen längeren Zeitraum auch für diese engagieren. Kurz vor Wahlen in einen Verein einzutreten verschafft Ihnen hingegen keine Glaubwürdigkeit, die Ihnen dann eine gute Bühne für Ihre politischen Anliegen sein könnte.

Wenn Sie Mitglied in Vereinen (Quartierverein, Gewerbeverein, Sportvereine, Frauenverein, Schiessverein und Kulturvereine) sind, dann laden Sie Ihre Vereinskameraden innerhalb des Wahlkampfs zum Apero, spendieren Sie einen Grillnachmittag oder ähnliches.

Wenn Sie jedoch einfach Termine vereinbaren wollen, sollten Sie sich im Vorfeld der Vereinsbesuche einen Überblick über die Vereinslandschaft der Schweiz  verschaffen – dies können Sie mit Hilfe des Freiwilligen-Monitors Schweiz schnell und unkompliziert bewerkstelligen. https://sgg-ssup.ch/de/freiwilligenmonitor.html

Er gibt auch einen genauen Überblick über die Zielgruppen, die Sie über die Ansprache von Vereinen erreichen können.

Poltitische Vereine haben Tradition in der Schweiz: Seit sich vor etwa 300 Jahren politische Eliten zu Diskussionszirkeln lokal oder regional zusammenschlossen – um politisch und gesellschaftlich etwas zu bewirken.

In der politischen Tradition dieser Diskussionszirkel bewegen sich auch einige Dorfvereine heute – daher ist es für Ihre Kandidatur immer eine gute Idee, Kontakte und Dialoge mit Dorfvereinen zu suchen. Umso besser ist es, wenn Sie bereits Mitglied in einem Dorfverein sind.

Hier finden Sie eine kurze Aufstellung der nötigen Schritte zur erfolgreichen Einbindung von Vereinen in Ihren Wahlkampf:

Recherche

Lassen Sie einen Ihrer Wahlhelfer recherchieren, welche Vereine für Ihre Kampagne besonders wichtige Ansprechpartner sein können. Dabei sollte der Helfer auch nachschauen, was die Vereinsvorstände und Mitglieder an wichtigen Positionen im sonstigen beruflichen und öffentlichen Leben bekleiden. Haben Sie – und der Verein – Einfluss? Könnten Sie Ihnen nützlich sein? Die Recherche ermöglicht Ihnen, Einschätzungen zu präzisieren und eine Liste der zu besuchenden Vereine aufzustellen.

Anschreiben

Sie können durch Ihre ganze Kampagnenzeit hindurch Aktivitäten für und mit Vereinen planen. Ein freundliches Anschreiben mit einem Ihrer Flyer ist eine unaufdringliche Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen und einen Besuch vorzuschlagen.

Beispiel Kaltansprache

Sehr geehrte Damen und Herren / Sehr geehrter Herr / Frau ____________

Als Kandidat für die ________wahl möchte ich mich Ihnen vorstellen. Ihr Verein hat sich in den letzten Jahren besonders um _________ bemüht und ich habe Ihr Engangement mit großem Interesse verfolgt. Daher möchte ich Sie höflich um ein Gespräch mit Ihrem Verein und Ihnen anfragen. Es interessiert mich gerade in Hinblick auf meine politische Arbeit, mehr über Ihre Tätigkeiten und die Beweggründe dahinter zu erfahren.

Mit freundlichen Grüßen, ______________

Vorbereitung des Termins

Beschäftigen Sie sich mit der Geschichte des Vereins, sammeln Sie Informationen, betrachten Sie die Struktur und die Personen im Verein. Bereiten Sie sich inhaltlich auf die Diskussion vor. Dazu präparieren Sie einen kurzen, höchstens 15-zeiligen Text, der Sie / Ihre Biografie vorstellt als Einführung. Darüber hinaus sollten Sie sich mit den inhaltlichen Schwerpunkten des Vereins befasst haben und sie auf mögliche Überschneidungen mit Ihrem Wahlprogramm prüfen. Dort liegen Ihre Startpunkte, hier können Sie gut über Gemeinsamkeiten eine Verbindung zum Verein und dem Wähler herstellen.

  • Beachten Sie hier auch die generellen Tipps zur Rhetorik und Sprache im Wahlkampf.
  • Wählen Sie Ihre Kleidung und Ihr Auftreten so, dass Sie sich wohl fühlen und sich nicht feiner oder lässiger angezogen präsentieren als die Menschen, die Sie besuchen.
  • Bringen Sie Ihre Wahlmaterialien, Flyer, GiveAways etc. mit.

Hören Sie zu, mehr als dass Sie reden. Eines Ihrer wichtigsten Kommunikationsziele ist, dass sich Menschen von Ihnen gehört und verstanden fühlen.