Der Tür zu Tür Wahlkampf ist ein klassisches Wahlkampf-Instrument. Dabei geht der Kandidat von Tür zu Tür und überrascht die Bewohner mit einem persönlichen Besuch. In grossen Wahlkreisen kann diese Arbeit auch von Wahlhelfern gemacht werden, der Kandidat sollte aber zumindest gleichzeitig immer auch selbst unterwegs sein. Der Tür-zu-Tür Wahlkampf ist beispielsweise der Ausgangspunkt der Karrieren von Bill und Hillary Clinton, die sich als Wahlhelfer so schon als Jugendliche betätigt haben.

Dabei bietet es sich auch an, diese Maßnahme als Umfrage zu gestalten: Fragen Sie die Bürger nach ihren Wünschen und Problemen, hören Sie gut zu und überlegen Sie, falls bestimmte Punkte häufig zur Sprache kommen, diese auch in Ihre eigene politische Kampagne zu integrieren. Spielen Sie im Team Dialoge durch, um sich vorzubereiten.

  • S: Guten Tag [Herr Meier], ich bin Franziska Müller und ich kandidiere für den Kantonsrat?
  • W: Guten Tag, ich bin gerade am Kochen.
  • S: Haben Sie trotzdem kurz Zeit, ich würde mich gerne bei Ihnen vorstellen oder fragen, ob Sie ein Anliegen an mich haben?
  • W: Warten Sie kurz, ich muss nur schnell Kartoffeln vom Herd nehmen.
  • Sobald die Person zurück ist, erzählen Sie eine Kurzzusammenfassung Ihrer Wahlkampf-Botschaft. Im Idealfall entsteht ein kurzes Gespräch.
  • S: Vielen Dank, dass Sie sich kurz Zeit für mich genommen haben. Darf ich Ihnen noch einen Wahlflyer hier lassen?
  • W: Ja, gerne.
  • S: Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag, ich würde mich freuen wenn Sie mich wählen.
  • W: Ich weiss nicht, mal sehen.

Nehmen Sie genügend persönliche Postkarten oder Wahlkampf-Flyer mit, welche Sie an die Wähler verteilen können. Lässt das Budget es zu, kann auch ein nützliches Giveaway verteilt werden.

Bestimmen Sie die Strassen und Quartiere die Sie besuchen wollen, beginnen Sie zuerst in der nächsten Umgebung. Besonders geeignet sind Wohnquartiere mit hoher Wohndichte.  Lassen Sie auch folgende andere Faktoren in die Auswahl der zu besuchenden Quartiere einfliessen.

  • Alter der Bewohner in Bezug auf Ihre Zielgruppen
  • Neuzuzüger
  • Ausländerviertel
  • Finanzielle Stellung

Die Besuche sollten zur Mittagszeit zwischen 10 und 12 Uhr oder nach dem Feierabend zwischen 17 und 20 Uhr stattfinden. Versuchen Sie wenn möglich, die Tür zu Tür Aktion wenige Tage vor anderen Aktionen wie einer Flyer-Verteilaktion oder einer Standaktion durchzuführen. Sie werden dann bestimmt von einigen Wählern erkannt und können so weitere spannende Kontakte knüpfen.

Nehmen Sie auf die Tour unbedingt auch weiteres Material wie Postkarten, Flyer, Unterschriftenbögen für Initiativen oder eine Infobroschüre der Partei mit um sie an besonders interessierte Wähler abzugeben. Ein kleiner Block gehört ebenfalls zur Ausrüstung, darauf können Sie Ihre Eindrücke oder die Anliegen der Wähler notieren.

Ein Gespräch dauert in der Regel nicht länger als 3 Minuten, manchmal wird man auch zu einem Tee eingeladen. Solche Einladungen sollte man nicht ausschlagen. Ist man unter Zeitdruck, kann man sich mit einer gut einstudierten Ausrede entschuldigen.

Ist jemand abwesend, hinterlässt man eine Nachricht mit einer Botschaft wie «Ich wollte mich persönlich bei Ihnen vorstellen, leider waren Sie nicht zu Hause». Diese legen Sie zusammen mit dem Flyer in den Briefkasten oder kleben diese an die Haustüre.

Werden konkrete Anliegen an Sie geäussert, sollten Sie diese in Ihrem Notizblock aufschreiben und innert weniger Tage abarbeiten und dem Wähler ein Feedback geben. Falls Sie genügend Ressourcen haben, sollten Sie ein Kontaktheft führen. Dort vermerken Sie nach jedem Besuch, wie die Person auf Sie reagiert hat und wie Sie den angesprochenen Themen gegenübersteht. Notieren Sie in Ihrem Kontaktheft beispielsweise auch, ob Sie Duzis gemacht haben.

In der Nachbearbeitung können Sie das Kontaktheft auswerten und bei positiven besuchen können Sie per Telefon oder per Brief nachfassen. Fragen Sie die Person sich dazu bereit erklärt, Flyer im Bekanntenkreis zu verteilen oder einen Leserbrief zu schreiben. Lassen Sie aber nicht zu viel Zeit verstreichen, damit das Thema noch im Kopf des Wählers ist.

Beispiel für die Angaben in einem Kontaktheft:
Name, Email, Telefon, Notiz, Funktion / Relevanz

Die Tür zu Tür Aktion sollte auf den Sozialen Medien und auf der eigenen Webseite angekündigt werden. Lässt es das Budget zu, kann auch ein Zeitungsinserat geschaltet werden, welche die Aktion ankündigt.

Bei besonders interessierten Wählern, die sich im Gespräch als Unterstützer zu erkennen geben, machen Sie ruhig ein Selfie, mit dem Sie Ihre Begegnung hinterher auf Social Media teilen können.

Fragen Sie die lokalen Medien an, ob diese Sie bei der Tour begleiten möchten oder ob Sie einen von Ihnen verfassten Bericht abdrucken würden. Diesen Bericht verwerten Sie auf den Sozialen Medien und auf Ihrer Wahlkampfwebseite.

Unabhängig vom Budget Ihrer Kampagne ist es immer eine gute Idee, die Wähler persönlich zu treffen. Es gilt dabei, Ihre Zeit möglichst effektiv zu nutzen und möglichst viele Reaktionen aus der Tür-zu-Tür Kampagne zu erhalten, während Sie die Bewohner eines Viertels besuchen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass es mehrere Ziele gibt, wenn es um das Klingeln an Haustüren geht. Das erste Ziel sollte offensichtlich sein – die direkte Ansprache der Wähler in dem Bezirk, in dem Ihr Name auf dem Wahlzettel steht. Darüber hinaus soll der kleinteilige Besuch von Nachbarschaften auch die Wahrnehmung der Wähler verstärken, wer Sie als Kandidat sind, und dass Sie bereit sind diese harte Arbeit zu leisten, engagiert, zugänglich, professionell, sympathisch und höflich. Das sind die Attribute, die (die meisten) Wähler am Wahltag belohnen.

Der Tür-zu-Tür-Wahlkampf ist längst nicht bei allen Schweizer Parteien verbreitet. Die ersten, die einen systematischen, datengestützen Hausbesuchsplan entwickelten, waren die Wahlkampfmitarbeiter der SP 2016. Tür-zu-Tür Wahlkampf wurde in Europa unter anderem bereits in Deutschland, den Niederlanden, Irland, Frankreich und Grossbritannien angewandt. Laut Kommunikationsfachleuten gehört er zu den erfolgreichsten und wirkungsmächtigsten Instrumenten des politischen Marketings. Um zu wissen, wo Wahlkämpfer mit Offenheit und Sympathien rechnen können, arbeiten Parteien mit Datenmodellen, die eine Einschätzung des Wählerpotenzials nach Gemeinden, Quartieren und Strassenzügen erlauben.

Bevor Sie Ihre Schuhe binden und Ihre Ärmel hochkrempeln, gibt es einige Tipps für Tür-zu-Tür-Kampagnen, die wir Ihnen gerne mitgeben möchten, bevor Sie sich auf den Weg machen.

Bereiten Sie eine Liste von Häusern vor, die es wert sind, besucht zu werden. Nutzen Sie dazu alle Informationen, die Sie haben. Hat Ihre Partei Wählerlisten? Können oder sollten Sie Adressen kaufen (oder auch für diesen Zweck nutzen), auf deren Bewohner bestimmte demographische Eigenschaften zutreffen? Sinn macht dies auch vor allem dann, wenn Sie sich thematisch nähern wollen.

Beispielsweise: Wenn das Zugpferd Ihrer Kampagne Familienpolitik ist, besuchen Sie vor allem die Haushalte, von denen Sie wissen, dass dort Familien mit Kindern wohnen.

Besuchen Sie, wenn Sie als Parteikandidat antreten, auf jeden Fall Stammwähler, die in den Adresslisten Ihrer Partei verzeichnet sind.

An welche Türen sollen wir klopfen?

Tür-zu-Tür-Kampagnen sollten eine gezielte Aktivität sein. Wenn Ihre Kampagne sich nicht entschieden hat, eine gezielte Wählerregistrierungsaktion durchzuführen, warum sollten Sie Ihre Zeit damit verschwenden, zu Nichtwählern zu gehen? Sie können entweder zehn Minuten lang mit einem von ihnen sprechen, oder Sie können 5 registrierte Wähler in der gleichen Zeit besuchen.

Verschwenden Sie keine Zeit. Stellen Sie sicher, dass Ihre Bemühungen von Tür zu Tür gezielt sind!

Zusätzlich zur Ausrichtung auf nur registrierte Wähler sollten größere Kampagnen (bei denen der Kandidat und/oder die Freiwilligen nicht jede Tür ablaufen können) wählen, welche Viertel aufgrund ihrer Ausrichtung auf die Kampagne besucht werden sollen. Wenn Sie Wähler in einem bestimmten Bezirk ansprechen, fügen Sie diesen Bezirk Ihrer Route hinzu. Verwenden Sie die Targeting-Rankings, die entsprechende Kommunikationsagenturen Ihnen erstellen können, um zu bewerten, in welchen Bezirken Sie gehen werden. Dieser Bereich nennt sich Microtargetting, weil hier mit Hilfe von Big Data effektiv die lohnenden Hausbesuche herausgefiltert werden können. Hier lohnt sich unter Umständen eine Investition aus Ihrem Wahlkampfbudget.

Wie sollten sich Kandidat und Helfer präsentieren?

Kleiden Sie sich um zu beeindrucken. Das bedeutet nicht, dass man sich geschäftlich kleidet. Aber überlegen Sie sich, was Sie anziehen sollten. Stilsicher, sauber, komfortabel und wettergerecht!

Bringen Sie Kampagnenliteratur / Flyer mit und hinterlassen Sie sie, wenn niemand die Tür öffnet. Legen Sie keine Kampagnenunterlagen in den Briefkasten! Lassen Sie sie an der Tür (vorzugsweise an der Tür, die am meisten genutzt wird).

Schreiben Sie auch Notizen (wir verwenden Haftnotizen) mit der Aufschrift „Es tut uns leid, wir haben Sie verpasst“, um Ihre Kampagnenliteratur an der Tür zu hinterlassen, wenn niemand zu Hause ist.

Packen Sie Ausrüstung ein. Schnappen Sie sich einen Notizblock, Stifte, eine Flasche Wasser und wenn Sie Gartenschilder haben, halten Sie einen Stapel in Ihrem Auto für den Fall, dass Sie einen Wähler treffen, der eines auf seinem Rasen platziert, um seine Unterstützung zu präsentieren!

Vergessen Sie nicht, ein paar Fotos zu machen, die Sie über Social Media teilen können. Lassen Sie Ihre Unterstützer wissen, dass Sie hart für jede Abstimmung arbeiten!

Unterhalten Sie sich nur kurz mit dem einzelnen Wähler an der Tür! Halten Sie Ihre Ansprache sehr kurz vor der Tür und wenn Sie die Unterstützung von jemandem erhalten, sagen Sie „Danke“ und gehen Sie. Je mehr Sie reden, desto einfacher wird es für Ihr Gegenüber sein, etwas zu finden, das ihm nicht gefällt.

Wenn Sie Freiwillige haben, die Ihnen beim Klinkenputzen helfen wollen, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Nehmen wir an, diese erreichen Ihre Wähler positiv- welchen Eindruck sollen sie vermitteln? Sie sollen Ihre Kandidatur so gut vertreten, wie Sie es tun würden. Dazu müssen Sie sie gut vorbereiten und eine gemeinsame Linie kommunizieren. Wenn die Persönlichkeit oder das Verhalten Ihrer Wahlhelfer hier Ihre Marke überschatten, könnte das ein großes Problem sein.

Alle Tür-zu-Tür-Aktivitäten (sowohl Klopfen als auch das Ablegen von Infomaterial) beinhalten den Kontakt zum Wähler. Im Allgemeinen, wenn Anhänger von Tür zu Tür gehen, werden sie am Ende mit den Wählern reden, auch wenn sie nur Material ablegen. Ob die Menschen auf ihren Veranden sitzen, die Straße hinuntergehen oder gerade von der Arbeit nach Hause kommen, die Wähler sprechen gerne mit Freiwilligen der Kampagne, sogar mit denen, die nur eine Broschüre zurücklassen.

Stellen Sie sicher, dass jeder einzelne Freiwillige und Mitarbeiter, der von Tür zu Tür geht und Material ablegt, richtig ausgebildet ist. Wenn jemand nicht vertrauenswürdig genug ist, um ihn von Tür zu Tür zu schicken, schicken Sie ihn auch nicht hinaus. Diese Helfer können auch in der Wahlkampfzentrale bleiben und Umschläge oder Faltprospekte vorbereiten.

Nehmen wir an, Sie haben ein paar Freiwillige, von denen Sie denken, dass sie einen guten Job machen werden, wenn sie Ihre Kampagne repräsentieren. Wir empfehlen Ihnen dringend, eine „Do and Don’t“-Liste mit Regeln zur Verfügung zu stellen, damit alle am selben Strang ziehen, zusammen mit einem Beispielskript oder einigen Vorschlägen, was er bei der Begrüßung eines Wählers sagen soll.

Hier ist eine beispielhafte Liste von “Do and Don’t”:

DO:

  • Ziehen Sie sich entsprechend an. Sauber, ordentlich und bequem.
  • Lesen Sie das Kampagnenmaterial, bevor Sie beginnen. Die Positionen des Kandidaten zu den wichtigsten Themen sollten Sie verstehen und mit seiner Biographie vertraut sein.
  • Seien Sie höflich, respektvoll und positiv, wenn Sie mit Wählern in Kontakt treten.
  • Geben Sie dies immer zu, wenn Sie die Antwort auf eine Frage nicht kennen und bieten Sie an, diese später mit den richtigen Informationen zu beantworten.
  • Lassen Sie die Kampagnenflyer an der Tür, die am häufigsten verwendet zu werden scheint. Gibt es eine Seitentür, die als Haupteingang sichtbar ist?

DON’T:

  • Werfen Sie Kampagnenflyer nicht in den Briefkasten. Dafür sind die Postsende-Aktionen da!
  • Warten Sie nicht länger als 30 Sekunden vor einem Haus, wenn niemand die Tür öffnet.
  • Lassen Sie sich nicht in hitzige Debatten über die Themen verwickeln. Danken Sie einfach für die Zeit, die ein potentieller Wähler Ihnen gewidmet hat und machen Sie weiter.
  • Stellen Sie die politischen Gegner nicht negativ dar.
  • Betrete das Haus eines Wählers NICHT.

Von Tür zu Tür gehen vs. Flyer Ablegen

Es gibt zwei Arten von Tür-zu-Tür-Aktivitäten, die Kampagnen durchführen können. Die erste, die wir einfach als „von Tür zu Tür“ bezeichnen, beteutet dass der Kandidat oder Freiwillige tatsächlich einfach an die Tür der Wähler klopft und sieht, ob sie zu Hause sind. Die zweite Art von Tür zu Tür Aktivität besteht darin, Wahlflyer und persönliche Notizen zu hinterlassen. Hier geht der Kandidat oder Freiwillige zu den Wählern, klopft aber nicht an die Tür.

Ihre Entscheidung, welche Art von Aktivität Sie nutzen möchten, hängt von der Anzahl der Freiwilligen ab, die Sie haben, und der Anzahl der Häuser, die Sie abdecken müssen. Klassisches von Tür-zu-Tür Gehen und Kingeln ist effektiver als das Ablaufen der Häuser und Hinterlassen von Wahlflyern, aber dies kann auch viel schneller als die direkte Ansprache an der Tür gemacht werden, weil man eben nicht anhalten muss, um mit den Wählern zu sprechen. Freiwillige, die letzteres tun, können 3-4 mal so viele Häuser in der gleichen Zeitspanne ablaufen, als wenn sie an jeder Tür klingeln würden. Wenn Sie als Kandidat von Tür zu Tür gehen, sollten Sie jedoch auf jeden Fall klopfen. Die Leute finden es meist spannend, den Kandidaten zu treffen.

Last but not least!

Notizen machen, um die Nachverfolgung zu aktivieren

Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Helfer darin schulen, sich Notizen zu machen: Mit wem haben sie gesprochen? Hat die Person Unterstützung für Sie ausgesprochen? Für Ihre Gegner? Hat der Wähler um mehr Informationen zu einem Thema oder um etwas anderes gebeten? Alle diese Informationen können in kurzer Zeit direkt in der Zielgruppenliste aufgenommen werden. Wenn Sie die oben genannten Fragen für einen bestimmten Wähler beantworten, kann Ihr Helfer notieren: Martha – Unterstützt uns – Will ein Schild für ihren Vorgarten.