Wie also können Sie als Kandidat einer Wahl damit umgehen, wenn falsche oder tendenziöse Nachrichten über Sie oder Ihre Ziele verbreitet werden?

  1. Machen Sie den Faktencheck! Der Journalist Jan Eggers stellt auf seinem Blog eine Richtlinie und Anleitung zur Überprüfung von Fakten zur Verfügung, die zum Erkennen und Einordnen einer Nachrichtenmeldung gute Dienste leistet: https://www.eggers-elektronik.de/08_blogposts/15-minuten-quellencheck/
  2. Reagieren Sie nur auf Nachrichten, die auch einen relevanten Inhalt haben mit inhaltlichen Antworten. Schmutzkampagnen beantworten Sie nur mit einer Erklärung, dass diese Art von persönlichen Angriffen unter die Gürtellinie nicht nur falsch sei, sondern lediglich ein ganz billiger Angriff. Einige Politiker haben auf schmutzige Angriffe und Hass auch schon mit Youtube-Videos reagiert, so die Vorsitzende der deutschen Grünen Partei, Kathrin Göring-Eckhardt. Diese Maßnahmen waren sehr erfolgreich: https://www.youtube.com/watch?v=Ur-YHa2oOGI
  3. Bei relevanten Fake News verfassen Sie eine Erklärung, gern schon als Pressemeldung, die Sie auf Ihrer Website veröffentlichen können. Darin erklären Sie, warum die betreffende Nachricht unzutreffend ist oder in anderer Weise tendenziös. Belegen Sie dies und arbeiten Sie sauber, was die Quellenlage angeht. Zitieren Sie Statistiken und Studien.
  4. Hält der Sturm an, d.h. hat Ihr Statement nicht zu einem Abflauen der Präsenz der falschen Nachricht geführt, wenden Sie sich an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen in Bern. Fragen Sie dort, ob und wie etwas gegen die Fake News unternommen werden kann. Bei festgestellten Rechtsverletzungen (nach Artikel 89-90 Bundesgesetz über Radio und Fernsehen, SR 784.40) wird diese Stelle Maßnahmen ergreifen. Diese beinhalten fallabhängig:
    • Aufforderung, den Mangel zu beheben und Massnahmen zu treffen, damit keine Wiederholung stattfindet.
    • beim UVEK beantragen, die Konzession durch Auflagen zu ergänzen, sie einzuschränken, zu suspendieren oder zu entziehen.
    • Verwaltungssanktionen inkl. Geldbussen.

Zusammenfassend wird Kandidaten im Wahlkampf und Parteien geraten, langfristig an ihrer Glaubwürdigkeit zu arbeiten, nicht erst kurz vor den nächsten Wahlen:

„Um Fällen vorzubeugen und keine Angriffsflächen zu bieten, sollten Sie ihre Strategien auf lange Sicht anlegen und einen stärkeren Fokus auf App- und datenbasierten Haustürwahlkampf legen. Denn die persönliche Begegnung habe immer noch die stärkste Überzeugungskraft.“

Literatur:

  • Kaplan, Richard L. 2002. Politics and the American Press: The Rise of Objectivity, 1865–1920.Cambridge University Press.
  • Lang, Kurt, and Gladys Engel Lang. 2002. Te l e v i-sion and Politics. Transaction Publishers.
  • Sunstein, Cass R. 2007. Republic.com 2.0. Princ-eton University Press.
  • Pariser, Eli. 2011. The Filter Bubble: What the Internet Is Hiding from You. Penguin UK.
  • Gottfried, Jeffrey, and Elisa Shearer. 2016. “News Use across Social Media Platforms 2016.” Pew Research Center, May 26. http://www.journalism.org/2016/05/26/news-use-across-social-media-platforms-2016.
  • Silverman, Craig. 2016. “This Analysis Shows how Fake Election News Stories Outperformed Real News on Facebook.” BuzzFeed News, November 16.
  • Silverman, Craig and Jeremy Singer-Vine. 2016. “Most Americans Who See Fake News Believe It, New Survey Says.” BuzzFeed News, December 6.
  • Parkinson, Hannah Jane. 2016. “Click and Elect: How Fake News Helped Donald Trump Win a Real Election.” Guardian, November 14.
  • Read, Max. 2016. “Donald Trump Won because of Facebook.” New York Magazine, November 9
  • Dewey, Caitlin. 2016. “Facebook Fake-News Writer: ‘I Think Donald Trump is in the White House because of Me.’” Washington Post, November, 17. https://www.washingtonpost.com/news/the-intersect/wp/2016/11/17/facebook-fake-news-writer-i-think-donald-trump-is-in-the-white-house-because-of-me/.
  • Podiumsdiskussion „Zwischen #wahlwatch und fakenews: Wahlkampf in Zeiten von Medienverdrossenheit“ am 21. Juni 2017 in Duisburg. Die Veranstaltung war Teil des Projekts „Kommunikationsstress im Ruhrgebiet“, das durch die Brost-Stiftung finanziert wurde.
  • https://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-beim-bnd-kanzlerin-warnt-vor-desinformationskampagnen-a-1252321.html